{"id":2890,"date":"2025-01-09T12:49:08","date_gmt":"2025-01-09T12:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/?p=2890"},"modified":"2025-01-09T12:49:09","modified_gmt":"2025-01-09T12:49:09","slug":"ein-sarco-mann-sass-zehn-wochen-wegen-wuergeverdachts-in-haft-schwer-nachvollziehbar-sagen-juristen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/ein-sarco-mann-sass-zehn-wochen-wegen-wuergeverdachts-in-haft-schwer-nachvollziehbar-sagen-juristen\/","title":{"rendered":"Ein Sarco-Mann sass zehn Wochen wegen W\u00fcrge\u00adverdachts in Haft. \u00abSchwer nachvollziehbar\u00bb, sagen Juristen"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.bazonline.ch\/sarco-neue-details-zur-suizidkapsel-und-zu-den-untersuchungen-184568080654\">Basler Zeitung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schaffhauser Staats\u00adanwaltschaft untersucht den ersten Todesfall in der Sterbekapsel. Recherchen zeigen, dass sie ungew\u00f6hnlich hart vorgeht \u2013 und an einer zweifelhaften Theorie festh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"527\" src=\"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2891\" srcset=\"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/image.png 1024w, https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/image-980x504.png 980w, https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/image-480x247.png 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>In K\u00fcrze:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Am 23. September 2024 starb erstmals eine Person in der Suizidkapsel Sarco.<\/li>\n\n\n\n<li>Noch am selben Tag verhaftete die Schaffhauser Polizei vier Personen.<\/li>\n\n\n\n<li>Florian Willet, der Direktor der hinter Sarco stehenden Sterbehilfeorganisation The Last Resort, wurde zehn Wochen in Untersuchungshaft festgehalten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der Suizidkapsel Sarco nimmt erneut eine unerwartete Wendung. Zu Beginn dieser Woche klingelt das Telefon einer Journalistin dieser Redaktion, es meldet sich Florian Willet, der Direktor von The Last Resort. Jener neuen Sterbehilfeorganisation in der Schweiz, die hinter Sarco steht. Willet liegt in einem Spital und bittet um ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Zurzeit m\u00f6chte er sich zwar nicht \u00f6ffentlich zu Sarco oder seinem gesundheitlichen Zustand \u00e4ussern. Doch was die letzten Monate \u00fcber geschah, scheint dem 47-J\u00e4hrigen gesundheitlich zugesetzt zu haben. Aus R\u00fccksicht auf seine Privatsph\u00e4re geht diese Redaktion nicht weiter auf den Spitalbesuch ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Willet war als einzige Person dabei, als im September in Schaffhausen erstmals eine Person in der Kapsel begleiteten Suizid beging. Zehn Wochen sass er danach in Untersuchungshaft, ehe er am 2. Dezember entlassen wurde. Die Ermittlungen gegen ihn laufen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was ist in den letzten Monaten passiert? Warum sass Willet so lange in Untersuchungshaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Redaktion sprach mit Involvierten und unabh\u00e4ngigen Experten aus Justiz und Rechtsmedizin und konnte wichtige Dokumente einsehen. Es ergibt sich das Bild einer Staatsanwaltschaft, die mit harter Hand vorgeht \u2013 und an einer W\u00fcrgetheorie festh\u00e4lt, an der erhebliche Zweifel bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein iPad wird zum Beweisst\u00fcck<\/strong><br>Montagnachmittag, der 23. September 2024. Es ist kurz vor 16 Uhr, Florian Willet steht ruhig da und schaut auf das iPad in seiner Hand. Er tippt auf den Bildschirm, \u00f6ffnet eine App und verfolgt mit dem Zeigefinger eine Grafik, die aufblinkt. Er kramt sein Handy hervor und filmt den Bildschirm ab. Dann schaut er vom iPad auf, auf das, worauf er lange hingearbeitet hat: den Sarco.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor wenigen Minuten ist eine schwer kranke Amerikanerin in die dunkelblaue Suizidkapsel gestiegen. Diese steht in einem St\u00fcck Wald in Merishausen im Kanton Schaffhausen. Die Kapsel ist luftdicht verschlossen, es str\u00f6mt Stickstoff in den Sarco. Die Frau wird jeden Moment tot sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Willet ist der Einzige, der beim ersten begleiteten Suizid mittels Sterbekapsel vor Ort ist. Das belegen Videoaufnahmen, die diese Redaktion sichten konnte. Sie zeigen, wie er w\u00e4hrend gut 20 Minuten mit dem iPad um die Kapsel l\u00e4uft. Zwischendurch ruft er Sarco-Erfinder und Sterbehilfeaktivist Philip Nitschke an und berichtet. Ihm schickt er auch die Handyvideos. Diese dienen nicht nur der Dokumentation \u2013 sie werden zum wesentlichen Beweisst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 16.01 Uhr ist die Frau tot.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Willet war zehn Wochen in Untersuchungshaft<\/strong><br>Die Bilder aus dem Schaffhauser Waldst\u00fcck gehen nur Stunden sp\u00e4ter um die Welt. Eine Mischung aus Verwunderung und Ungl\u00e4ubigkeit erfasst die Schweiz. Denn die Sarco-Verantwortlichen setzen sich an jenem Montagnachmittag \u00fcber alle Mahnungen von Beh\u00f6rden hinweg. Verschiedene Staatsanwaltschaften drohten zuvor, sie w\u00fcrden bei einem Sarco-Einsatz in ihrem Kanton ein Strafverfahren er\u00f6ffnen. Auch die Schaffhauser Strafverfolger.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor Ort verhaften sie vier Personen: Neben Willet sind das zwei von The Last Resort mandatierte Anw\u00e4lte sowie eine niederl\u00e4ndische Fotografin. Letztere waren w\u00e4hrend des Suizids nicht pr\u00e4sent, befanden sich aber in der N\u00e4he.<\/p>\n\n\n\n<p>Willet, ein Deutscher mit Wohnsitz in der Schweiz, muss danach ganze zehn Wochen in Untersuchungshaft verbringen, ehe er am 2. Dezember entlassen wird. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft verd\u00e4chtigt ihn der vors\u00e4tzlichen T\u00f6tung. Dieser Vorwurf wiegt deutlich schwerer als der Verdacht auf Verleitung und Beihilfe zum Suizid, den die Schaffhauser Beh\u00f6rden zuerst kommuniziert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Zeitung \u00abde Volkskrant\u00bb enth\u00fcllte, pr\u00fcfen die Ermittler, ob Willet die Verstorbene erw\u00fcrgt hat. Das niederl\u00e4ndische Medium hat die Sarco-Premiere begleitet, unter anderem durch eine Fotografin. Weil der T\u00f6tungsverdacht laut Staatsanwaltschaft \u00abdringlich\u00bb war, behielten die Ermittler Willet in Untersuchungshaft. Nun ist der Verdacht zwar nicht mehr \u00abdringlich\u00bb, aber immer noch da, wie der Erste Staatsanwalt Peter Sticher auf Anfrage best\u00e4tigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Woher kommt diese Theorie? Und ist das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gerechtfertigt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00abKein Interesse\u00bb, Staatsanwaltschaft verzichtet auf Krankenakte<\/strong><br>So \u00fcberraschend die Schaffhauser Sarco-Premiere f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit war, die lokalen Beh\u00f6rden wussten vom Vorhaben l\u00e4ngst Bescheid. Das zeigt ein schriftlicher Austausch, den diese Redaktion einsehen konnte. Er beginnt bereits Ende Mai durch Exit International, einer Sterbehilfeorganisation, hinter der der australische Aktivist Philip Nitschke steht. Sie hat nichts mit der in der Schweiz etablierten gleichnamigen Sterbehilfeorganisation zu tun. Exit International zieht im Hintergrund die F\u00e4den, w\u00e4hrend The Last Resort danach an die \u00d6ffentlichkeit tritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sarco-Verantwortlichen k\u00fcndigen der Schaffhauser Staatsanwaltschaft sowie dem Kantonsarzt an, dass man die erste Freitodbegleitung in der Kapsel in ihrem Kanton durchf\u00fchren wolle. Daraufhin meldet sich der Erste Staatsanwalt Sticher schriftlich zur\u00fcck. Er k\u00fcndigt eine \u00abkritische Untersuchung\u00bb an und droht mit einem Strafverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pl\u00e4ne sickern durch. Am 3. Juli berichtet die NZZ, dass Sarco noch im selben Monat zum Einsatz kommen d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 8. Juli telefoniert Stichers Untergebener und leitende Staatsanwalt (Name der Redaktion bekannt) mit einem Anwalt von Exit International. Dieser bietet an, der Staatsanwaltschaft ein umfangreiches Dossier zuzustellen. Darin befindet sich die Krankenakte der sterbewilligen Amerikanerin, ein Nachweis ihrer Urteilsf\u00e4higkeit sowie ein Schreiben ihrer beiden S\u00f6hne, die den Suizidwunsch akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der leitende Staatsanwalt stellt gem\u00e4ss einer Aktennotiz klar, dass er Sarco gegen\u00fcber sehr kritisch sei. Er wolle die Dokumentation nicht vorab einsehen. Sowieso: Der Kanton Schaffhausen habe \u00abkeinerlei Interesse daran, dass Exit International im Kanton Schaffhausen eine Sterbebegleitung durchf\u00fchre, geschweige denn ein Sterbehaus in Betrieb nehme\u00bb. Ein Sterbehaus war indes nie ein Thema.<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb sie das Dossier ausgeschlagen hat, will die Staatsanwaltschaft dieser Redaktion nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>iPad dokumentiert Sauerstoffgehalt in der Kapsel<\/strong><br>Am 23. September um 16.01 Uhr ist es also so weit. Die 64-j\u00e4hrige Amerikanerin, die an einer schwerwiegenden Immunschw\u00e4che leidet, stirbt als erster Mensch im Sarco. Nitschke verfolgt gem\u00e4ss eigenen Angaben den begleiteten Suizid via Kamera in der Kapsel. \u00abEs sah genau so aus, wie wir es erwartet haben\u00bb, sagt Nitschke danach zu Medien. Er habe den Sauerstoffgehalt in der Kapsel nachverfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zwar \u00fcber die erw\u00e4hnte App auf Florian Willets iPad. Die Grafik n\u00e4mlich zeigt den Verlauf des Sauerstoffgehalts in der Kapsel. Das zeigen Videoaufnahmen, die diese Redaktion einsehen konnte. Insbesondere die Zeitangabe ist entscheidend. Sie weist nach, dass der Sauerstoffgehalt in der Kapsel w\u00e4hrend mindestens 26 Minuten unter 10 Prozent lag. Bis weit nach 16 Uhr. Ist der Sauerstoffgehalt so tief, stirbt eine Person nach nur wenigen Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet: Die Kapsel konnte w\u00e4hrend dieser Zeit nicht ge\u00f6ffnet worden sein. Sonst w\u00e4re der Sauerstoffgehalt durch die einstr\u00f6mende Aussenluft nach oben geschnellt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"449\" src=\"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Sarco-forest.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2892\" style=\"width:823px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Sarco-forest.webp 640w, https:\/\/www.thelastresort.ch\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Sarco-forest-480x337.webp 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 640px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Willet bleibt an Ort und Stelle. Die beiden Anw\u00e4lte und die holl\u00e4ndische Fotografin sind in der N\u00e4he, als einer der Anw\u00e4lte um circa 16.40 Uhr die Staatsanwaltschaft anruft. Er informiert \u00fcber den Suizid. Doch es erscheint niemand. Also ruft der Anwalt kurz vor 18 Uhr ein zweites Mal an. Dann taucht die Polizei mit einem Grossaufgebot auf, verhaftet alle vier und beschlagnahmt die Suizidkapsel. Die Verstorbene wird ins Institut f\u00fcr Rechtsmedizin der Universit\u00e4t Z\u00fcrich gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die W\u00fcrgetheorie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sich Willet der Polizei \u00abgestellt\u00bb hat, h\u00e4lt die Staatsanwaltschaft bis heute am Verdacht fest, Willet k\u00f6nnte die Frau vors\u00e4tzlich get\u00f6tet haben. Das wirft auch deshalb Fragen auf, weil die Strafverfolger im Besitz der Videoaufnahmen und von Willets iPad und Handy sein m\u00fcssen. Die \u00abVolkskrant\u00bb thematisierte zwar, dass es bei den Videoaufnahmen Unterbrechungen gab \u2013 weil diese nur bei Bewegungen filmte. Doch die Aufzeichnungen der Aussenkamera stocken erst nach 16.30 Uhr, als die Frau bereits tot war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verdacht der vors\u00e4tzlichen T\u00f6tung basiert auf einem Telefonat mit einer Person des Instituts f\u00fcr Rechtsmedizin. Wie aus einer Telefonnotiz hervorgeht, informiert sie die Staatsanwaltschaft einige Stunden sp\u00e4ter \u00fcber die Befunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem habe man bei der Frau Verletzungen am Hals gefunden. Zwar k\u00f6nnten diese durch einen Krampf verursacht worden sein. Eher spr\u00e4chen die Befunde aber \u00abf\u00fcr stumpfe Gewalt gegen den Hals\u00bb. Bis heute liegt der Staatsanwaltschaft kein Obduktionsbericht vor, der den Verdacht genauer er\u00f6rtern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen ein gewaltsames Vorgehen Willets sprechen die Videoaufnahmen und die Sauerstoffmessung. Auch wurden am K\u00f6rper der Verstorbenen keine DNA-Spuren von Willet gefunden. Ohnehin hat sich Willet der Polizei gestellt, was es auch gem\u00e4ss Rechtsexperten h\u00f6chst unwahrscheinlich macht, dass er die Frau erw\u00fcrgt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrich Zollinger ist emeritierter Professor f\u00fcr Rechtsmedizin. Er hat zahlreiche aussergew\u00f6hnliche Todesf\u00e4lle untersucht, auch Verstorbene, die mit der etablierten Schweizer Exit-Organisation aus dem Leben gingen. \u00abIn meinen 30 Jahren habe ich nie etwas Ungew\u00f6hnliches dabei entdeckt, was eine Obduktion n\u00f6tig gemacht h\u00e4tte.\u00bb Dass man bei Sarco genauer hinschaue, k\u00f6nne er \u00abwegen der Aktualit\u00e4t und Brisanz der ersten Anwendung\u00bb hingegen nachvollziehen. Doch genau weil der Fall so interessiere und eine l\u00e4ngere Untersuchungshaft nach sich gezogen habe, k\u00f6nne er nicht nachvollziehen, weshalb so lange kein Obduktionsbericht vorgelegt worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Was den W\u00fcrgeverdacht angeht, ist Zollinger skeptisch. \u00abIch kann mir nicht vorstellen, dass ein Sterbehelfer auf diese Weise den Tod herbeif\u00fchren will und kann.\u00bb Zudem w\u00fcrden ja Videoaufnahmen des Sterbeorts bestehen, nachdem die Frau in den Sarco gestiegen sei. \u00abWenn jemand nachgeholfen h\u00e4tte, w\u00e4re dies aufgezeichnet worden.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSchwer nachvollziehbar\u00bb, findet Bernhard R\u00fctsche den Verdacht, er ist Professor f\u00fcr \u00f6ffentliches Recht an der Universit\u00e4t Luzern. Er hat schon mehrfach zu Sterbehilfe publiziert und sagt: \u00abDer Verdacht, der ja offenbar auf einem Telefonat beruht, wirkt vorgeschoben.\u00bb Um eine zehnw\u00f6chige Untersuchungshaft zu rechtfertigen, m\u00fcsste immerhin ein Teilbericht der Rechtsmedizin vorliegen oder anderweitige stichfeste Beweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch lehnte es die Staatsanwaltschaft ab, Philip Nitschke einzuvernehmen. Obwohl er gem\u00e4ss The Last Resort w\u00e4hrend des ersten Sarco-Einsatzes als Einziger im direkten Austausch mit Willet stand \u2013 und damit potenziell ermittlungsrelevante Informationen einbringen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ungew\u00f6hnliche Methoden<\/strong><br>Welche Beweisst\u00fccke die Staatsanwaltschaft besitzt, wissen nicht mal die Anw\u00e4lte der Beschuldigten. Sie haben bis heute keine Akteneinsicht erhalten, obwohl sie mehrfach darum ersucht haben. Es ist zwar gang und g\u00e4be, dass Beweismittel der Verteidigung zun\u00e4chst vorenthalten werden, bis der Beschuldigte dazu befragt wurde. Doch dass die Anw\u00e4lte bis heute keine Einsicht haben, nennt R\u00fctsche \u00abh\u00f6chst ungew\u00f6hnlich\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Er vermutet, die Staatsanwaltschaft wolle ein Exempel statuieren. \u00abSie steht m\u00f6glicherweise unter Druck, gegen diese Form der Suizidhilfe hart vorzugehen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht das erste Mal, dass die involvierten Staatsanw\u00e4lte wegen ungew\u00f6hnlicher Methoden kritisiert werden. Der leitende Staatsanwalt von Schaffhausen hat eine umstrittene Vorgeschichte aus seiner Zeit als Staatsanwalt im Thurgau. Er leitete das Verfahren im sogenannten Fall K\u00fcmmertshausen, dem gr\u00f6ssten Strafprozess, den es im Thurgau je gab. Es ging um ein T\u00f6tungsdelikt, Menschenhandel, Bandenkriminalit\u00e4t und einiges mehr. Doch das Bundesgericht setzte ihn und eine Kollegin 2015 von den damaligen Ermittlungen ab \u2013 wegen \u00abzahlreicher und teilweise krasser Verfahrensfehler\u00bb. Sie standen danach wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs und Urkundenf\u00e4lschung vor Gericht, wurden 2023 jedoch freigesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft l\u00e4sst einen umfangreichen Fragenkatalog unbeantwortet. Und beruft sich auf das Amts- und Untersuchungsgeheimnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schaffhauser Staats\u00adanwaltschaft untersucht den ersten Todesfall in der Sterbekapsel. 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